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Welcher Broker bietet Leerverkäufe an? Depot Vergleich

 

Unter einem Leerverkauf versteht man einen Verkauf von Vermögenswerten (z.B. Aktien), die man selber nicht besitzt. Ziel ist es die geliehenen Aktien zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurück zu kaufen (Eindeckungskauf). Der Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und (Rück)Kaufpreis zzgl. der Gebühren.

Leerverkäufe sind relativ risikoreiche Geschäfte und werden nicht von jedem Broker und jedem Depotanbieter unterstützt. Wir stellen eine Reihe an Brokern vor, die ihren Kunden Leerverkäufe von Aktien ermöglichen. Zusätzlich schlüsseln wir die Kosten bzw. Gebühren je Broker auf.

Leerverkäufe sind nur etwas für sehr erfahrene und sich dem Risiko bewusste Anleger. Wir gehen daher auch auf die Chancen und Risiken von Leerverkäufen ein.

Banken & Broker die Leerverkäufe anbieten im Vergleich

In der Tabelle stellen wir vier Broker vor, bei denen der Leerverkauf von Aktien möglich ist. Bei allen Brokern werden bei Leerverkäufen nur die normalen Ordergebühren berechnet. Am günstigsten ist in diesem Bereich der Captrader, der Handel über Xetra ab 4€ und über tradegate bereits für nur 2€ anbietet. Für den Zeitraum des Leerverkaufs, also bis der Deckungskauf zwecks Beendigung des Geschäfts getätigt wird, muss eine Gebühr für die Wertpapierleihe bezahlt werden. Diese Gebühr ist u.a. abhängig vom jeweiligen Wertpapier und der aktuellen Nachfrage. Bei den Brokern kann man sich die Höher der Gebühr vor der Orderaufgabe anzeigen lassen (Captrader) bzw. diese beim Support erfragen.

Weitere Informationen über jedes Depot und seine Konditionen erhalten sie auf der jeweiligen Detailseite, die Sie durch einen Klick auf den Namen des Anbieters erreichen. Durch einen Klick auf das Logo gelangen Sie direkt zur jeweiligen Bank bzw. zum jeweiligen Broker.

Anbieter

Depot-

gebühr

Details zu Leerverkäufen

 

CAPTrader Depot

Captrader

0€

Bester Anbieter für Leerverkäufe

Günstige Ordergebühren (Xetra ab 4€ und tradegate ab 2€)

Handel über App, Browser, Trading-Software

Zins für Wertpapierleihe bei Auswahl anzeigbar

Intraday und Overnight Leihe problemlos

Keine automatische Abführung Abgeltungssteuer


Lynx Depot

Lynx Broker

0€

Handel (auch Leerverkauf) an vielen Auslandsbörsen

Günstige Ordergebühren (Xetra 0,14€, min 5,80)

Mindesteinzahlung 10.000€, Steuer wie bei captrader


Consorsbank

Consorsbank

0€

Deutsche Direktbank, Abgeltungssteuer wird abgeführt

Intraday Leerverkauf problemlos, overnight nur nach Rücksprache

Ordergebühren bestenfalls ca. 10€ (nur 1. Jahr günstiger)


Flatex Logo

Flatex

0€

Leerverkäufe nur über Kooperationspartner ViTrade

Zusatzgebühren (siehe unten), z.B. 50€ bei Zwangseindeckung

Automatische Abführung Abgeltungssteuer

Generell gutes Trader Depot, aber nicht unbedingt für Leerverkäufe

 

Was bedeutet Leerverkauf bzw. Short Selling?

Unter einem Leerverkauf bzw. Short-Selling versteht man den Verkauf von Vermögenswerten (z.B. Aktien), die man selber nicht besitzt. Ziel eines Leerverkäufers ist es die leerverkaufte Aktie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurückzukaufen. Möchte man seine Leerverkaufsposition nicht am selben Tag (intraday) beenden, also den Deckungskauf erst zu einem späteren Zeitpunkt ausführen, so muss man sich die Aktien leihen.

Die getesteten Broker weisen für jede Aktie darauf hin, ob diese (aktuell) geshortet werden kann und auch ob eine Wertpapierleihe für ein Übernacht (Overnight) Geschäft möglich ist. Für den Zeitraum des Leerverkaufs zahlt man eine Leihgebühr an den Verleiher des Wertpapiers. Verleiher sind üblicherweise andere Kunden des Brokers, die die Aktie in ihrem Depot haben und dem Verleih ihrer Aktien nicht widersprochen haben. Beim Captrader können Depotinhaber sogar an Leihgebühren verdienen, wenn sie ihre Aktien Leerverkäufern zur Verfügung stellen.

Profi-TraderUm die Wertpapierleihe kümmern sich die Broker. Der Leerverkäufer kann seinen Leerverkauf tätigen, ohne sich selber einen Verleiher suchen zu müssen oder mit diesen in Kontakt zu treten. Eine Leerverkaufsposition beendet man, in dem man die verkauften Aktien kauft und seinen Depotbestand durch den Deckungskauf wieder auf Null erhöht.

Einen Leerverkauf zu tätigen ist nicht sehr kompliziert. Allerdings sollten Anlegern unbedingt die enormen Risiken solcher Geschäfte bewusst sein, auf die wir am Ende des Artikels genauer eingehen. Leerverkäufe sind nichts für Anfänger und sollten  nur (wenn überhaupt) von sehr erfahrenen Anlegern getätigt werden.

Kosten für das Leerverkaufen von Aktien

Bei allen vorgestellten Brokern zahlt man für den Leerverkauf von Aktien (und anderen Wertpapieren) die für einen Verkauf üblichen Ordergebühren. Beim Captrader zahlt man zum Beispiel 0,10% des Orderwertes (mind. 4€) am Handelsplatz Xetra für den Kauf oder Verkauf von Aktien. Tätigt man einen Leerverkauf, wird dies als normaler Verkauf abgerechnet, was auch Sinn ergibt. Schließlich ist ein Leerverkauf nichts anderes als ein Verkauf von Wertpapieren (die man selber nicht besitzt).

(In der Tabelle haben wir die Ordergebühren auszugsweise vorgestellt. Mehr Informationen zu jedem Broker erfahren Sie auf der Detailseite, die Sie über einen  Klick auf den Namen des jeweiligen Anbieters erreichen.)

Zusätzlich zu den Ordergebühren kommen bei einem Leerverkauf noch Gebühren für die Wertpapierleihe hinzu. Diese Gebühr wird in Prozent ausgedrückt und liegt bei Standartwerten üblicherweise bei einem kleineren, einstelligen Prozentsatz. Die Leihgebühren für Standartwerte sind in normalen Zeiten somit relativ gering, allerdings sind diese Gebühren während der gesamten Laufzeit des Leihgeschäfts nicht fest, sondern variabel. Die Kosten der Wertpapierleihe werden vom Broker festgesetzt und ändern sich mit dem Marktumfeld und besonders mit der Nachfrage nach dem Wertpapier.

Variable Leihgebühren: Hat man zum Beispiel Aktien der XY AG leerverkauft und bei Orderaufgabe einen Zinssatz von 2% im Jahr für die Wertpapierleihe gesehen, ist dieser Zinssatz nicht in "Beton gemeißelt". Steigt die Nachfrage nach der Aktie aufgrund vieler weiterer Short-Seller oder wird es für den Broker aus anderen Gründen schwieriger Stücke zum Verleihen aufzutreiben, so wird der Zinssatz der Wertpapierleihe (stark) steigen.

Im Extremfall kann es auch dazu kommen, dass der Broker keine Aktien des Unternehmens mehr zum Verleihen anbieten kann (zum Beispiel möchte der Verleiher seine Papiere selbst verkaufen und der Broker hat keine weiteren Kunden mit XY Aktien). In einem solchen Fall redet man von einem BUY-IN. Die Leerverkaufsposition muss dann sofort durch einen Eindeckungskauf geschlossen werden.

Möchte man einen Leerverkauf auf eigenen Wunsch beenden, muss man erneut Ordergebühren bezahlen. Schließlich müssen die verkauften Aktien zurückgekauft werden. Bis zum Deckungskauf weist der Depotbestand einen negativen Stand für das entsprechende Wertpapier aus. Hatte man beispielsweise 50 XY Aktien leerverkauft erreicht man erst durch den Kauf von 50 XY Aktien wieder einen Depotbestand von 0 Stück. Sobald der Eindeckungskauf stattgefunden hat, ist der Leerverkauf und ebenfalls die Wertpapierleihe beendet. 

Kosten für einen Leerverkauf in der richtigen Reihenfolge

  1. Ordergebühr für den Verkauf der Aktien
  2. Gebühr für die Wertpapierleihe (bis zum Deckungskauf)
  3. Ordergebühr für den Kauf der Aktie (Eindeckungskauf)

Wie bereits weiter oben geschrieben verlangen alle von uns untersuchten Broker nur die normalen Ordergebühren (für Kauf bzw. Verkauf) bei der Ausführung eines Leerverkauf und ebenfalls beim Eindeckungskauf. Allerdings erheben einige Broker Zusatzgebühren, die man beachten sollte.

Zusätzliche Gebühren beim Leerverkauf:

Bei Flatex und der Consorsbank sind Leerverkäufe nur intraday unkompliziert möglich. Möchte man die Leerverkaufsposition jedoch nicht vor Handelsende schließen, sondern über Nacht (overnight) offen halten und die Aktien erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückkaufen, so muss man bei der Consorsbank bzw. Flatex Rücksprache halten. Flatex (bzw. viTrade) verlangt außerdem noch weitere Gebühren:

  • 50€ + Ordergebühren bei einer Zwangseindeckung
  • 59,5€ beim Halten einer Short-Selling Position vom HV Tag zum Folgetag (wegen Divi Verrechnung)

Bei der Consorsbank werden die zusätzlichen Gebühren nicht besonders transparent kommuniziert. Für Leerverkäufe halten wir, auch aufgrund der generell günstigeren Orderkosten, Captrader und Lynx für besser geeignet.

Bestes Depot für Leerverkäufer

Vom Handelssystem und auch von den Kosten her halten wir das Depot von Captrader für am besten geeignet, um Leerverkäufe zu tätigen. Die Aufgabe eines Leerverkaufs ist sehr simpel. Man muss nur eine Verkaufsorder über einen Wert ausführen, der sich nicht im Depot befindet und geht somit einen Leerverkauf ein. Außerdem lassen sich die Kosten der Wertpapierleihe für alle short-fähigen Aktien einblenden. Die Kosten sind somit recht transparent. Beachten muss man allerdings, dass die Leihgebühren variabel sind und sich im Laufe des Leerverkaufs ändern können.

CAPTrader DepotEin weiterer Pluspunkt des Captraders sind die umfangreichen Materialien und Schulungsvideos zum Thema Leerverkauf. Zumindest das Eingehen und auch Beenden eines Leerverkaufs wird gut erklärt. Generell vereinfacht wird der Handel über unterschiedliche Zugangswege. Man kann nicht nur über einen Browser auf sein Depot zugreifen, sondern ebenfalls über eine APP auf dem Smartphone oder eine Trading-Software.

Ein Nachteil bei Captrader und Lynx für (Klein)Anleger ist jedoch, dass die Abgeltungssteuer nicht automatisch abgeführt wird. Ein Freistellungsauftrag lässt sich außerdem nicht hinterlegen. Für viele Profitrader stellt die fehlenden Abführung der Abgeltungssteuer allerdings einen Vorteil dar, da die Liquidität gehalten wird. Erst in der Steuererklärung gibt man seine erzielten Gewinne (oder Verluste) an und muss diese versteuern . Die benötigten Auflistungen / Auswertungen stellen Captrader und Lynx ihren Kunden am Jahresende bereit.

Chancen und Risiken von Leerverkäufen

Die Chancen eines Leerverkaufs lassen sich recht schnell erklären. Fällt der leerverkaufte Wert, kann man ihn günstiger zurückkaufen und einen Gewinn einstreichen. Außerdem spekuliert man mit einem gewissen Hebel, da man nur eine Marge in seinem Depot hinterlegen muss. Man kann zum Beispiel Aktien im Wert von 10.000€ "bewegen" (leer verkaufen) und muss nur einen geringeren Wert im Depot als Sicherheit hinterlegen.

Wo es Chancen gibt, gibt es ebenfalls Risiken und diese sind bei Leerverkäufen nicht zu unterschätzen. Bei den meisten anderen Geschäften ist das Risiko auf den Totalverlust des eingesetzten Kapitals begrenzt. Bei Leerverkäufen können Verluste dagegen höher ausfallen, da eine Aktie theoretisch unbegrenzt steigen kann. 

Außerdem ist die variable Gebühr für die Wertpapierleihe ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Steigt die Nachfrage nach der geshorteten Aktie, steigt auch diese Gebühr. Ob die Leihgebühr sich während des Leerverkaufs ändert und wie hoch diese Änderung ist, weiß man allerdings nicht bereits vor der Orderaufgabe. Des Weiteren kann man ungewollt gezwungen werden seine Leerverkaufsposition zu schließen und einen Deckungskauf auszuführen. Dies kann passieren, wenn der Verleiher seine Aktien nicht mehr verleihen oder selber verkaufen möchte und der Broker / Depotanbieter keine anderen Aktien zum Leihen bereitstellen kann. Der Deckungskauf muss dann unter Umständen zu einem für den Leerverkäufer sehr ungünstigen Kurs ausgeführt werden. 

Eine weitere Gefahr ist ein Short-Squeeze. Zu einem Short Squeeze kann es kommen, wenn sich viele Short-Seller auf einmal eindecken müssen. Ist eine Aktie zum Beispiel stark gestiegen und hat bereits vielen Short-Sellern Verluste beschert, kann dies dazu führen, dass diese ihre Positionen schließen müssen oder wollen. Durch die Deckungskäufe steigt die Nachfrage nach der Aktie und somit der Kurs weiter. Dies übt Druck auf weitere Leerverkäufer aus, was den Kursanstieg weiter fortsetzt.

In den Medien wurde der Fall von Gamestop bekannt, bei dem sich viele (Klein)Anleger in Foren dazu verabredet hatten die stark leerverkaufte Aktie zu kaufen und zu halten. Aufgrund der großen Nachfrage stieg der Kurs der Gamestop Aktie sehr stark an und sorgte für einen Short-Squeeze. Die Aktie stieg in wenigen Tagen von unter 40€ auf über 400€ und bescherte Leerverkäufern immense Verluste.

Wer Leerverkäufe tätigen möchte, sollte sich solcher Gefahren bewusst sein. Beim Fall von gamestop gab es sicherlich zahlreiche Leerverkäufer, die bei Kursen von 200€ oder 300€ von einer sicheren Wette auf fallen Kurse ausgegangen sind. Das man tatsächlich das Glück hat zum Höchstkurs eine Leerverkaufsposition einzugehen ist sehr sehr unwahrscheinlich. Steigt die Aktie ungebremst weiter, wird die beim Broker nicht ausreichen. Kann oder möchte man nicht weitere Sicherheiten bereitstellen, muss die Position geschlossen werden. Entsteht ein größerer Verlust als die hinterlegte Marge abgedeckt hat, muss man diesen dennoch ausgleichen.

Auch wenn der Fall Gamestop ein besonderer Fall ist, sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass Leerverkäufe ein hoch spekulatives Geschäft sind. Hat man das Pech, dass es zu einem Short-Squeeze kommt, helfen selbst Stop-Kurse wenig, da es kurzfristig zu extremen Kursanstiegen kommt. 

 

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